O´Zapft is | Mein erstes Dirndl

Mein erstes selbstgenähtes Dirndl. Planung, Stoffauswahl, Nähprozess sowie Kosten.

Halli hallo ihr Lieben!

Ich freue mich soo sehr, endlich kann ich euch mein neues, selbstgenähtes Dirndl zeigen! Es ist zwar schon lange fertig, doch hatten wir es nie wirklich geschafft Bilder zu machen. Jetzt sind die Bilder im Kasten ( wir haben wirklich viel mehr gemacht als sonst ) und ich kann euch mein neues Traumdirndl vorstellen.

Ich möchte euch ein bisschen etwas über die Idee, die Planung, das Schnittmuster und den Entstehungsprozess erzählen. Zu allererst kann ich euch sagen: Dirndl nähen ist wirklich nicht schwer!

Die Idee vom eigenen Dirndl

Ein Dirndl wollte ich schon lange nähen, allerdings schien es immer unerreichbar. Ein Dirndl Stand auf meiner To – Sew Liste knapp unter meinem Brautkleid, was ich mir irgendwann auch nähen möchte, falls ich irgendwann heiraten sollte :D. Doch das heißt natürlich auch, dass ich es mir ähnlich schwierig vorgestellt hatte, wie ein Brautkleid.

Mit Sicherheit hätte ich noch länger damit gewartet, mir ein Dirndl zu nähen, wenn nicht Anja von La Bavarese ihren Dirndl Workshop heraus gebracht hätte. Sie hatte im Frühjahr sogar zum Probenähen aufgerufen, wofür ich mich eigentlich auch bewerben wollte. Leider hatte das aber nicht geklappt, da das Schnittmuster im Mai getestet werden sollte und ich da gerade Gesellenprüfung hatte. Das hätte ich natürlich zeitlich überhaupt nicht geschafft.

Als ich dann aber die tollen Beispiele gesehen hatte, wollte ich unbedingt selber ein Dirndl nähen, natürlich noch vor Oktober, bis die Oktoberfest Zeit losgeht. Und da ich auch Angst hatte, ich würde besonders lange brauchen oder etwas falsch machen, fing ich sofort an, damit ich genug Zeit hatte.

Das Schnittmuster – Dirndlworkshop

Wie gesagt, als Schnittmuster wählte ich den Dirndlworkshop von La Bavarese. 25€ für ein Schnittmuster kamen mir verdammt viel vor.

Aber ganz ehrlich? Es steckt so viel Arbeit darin, ein Schnittmuster zu erstellen, es zu entwickeln und zu testen, da kann ich das voll verstehen. Außerdem ist das Schnittmuster auf über 100 Seiten bis ins kleinste Detail erklärt, sodass wirklich keine Fragen mehr offen bleiben. Das die Dirndlbluse auch im Schnittmuster inbegriffen ist, war für mich außerdem ein zusätzlicher Pluspunkt.

Außerdem bekommt ihr im Schnittmuster erklärt, wie ihr Rockfalten berechnet, wie ihr Froschgoscherln näht, wie man eine Paspel anfertigt und die Schürze smokt.

Ihr seht also, diese 25€ sind wirklich sehr gut investiert, ihr legt sie sinnvoll in eine gute Erklärung an. Außerdem gibt es ja auch noch YouTube Videos von Anja, die dabei auch noch weiter helfen.

Die Stoffauswahl

Ursprünglich hatte ich drei verschiedene Varianten, mit unterschiedlichen Farbkombinationen gewählt.

Dirndl 1: Türkis und Rostrot

Dirndl 2: Gelb, Grau und Weiß

Dirndl 3: Khaki und Orange

Natürlich ist es ganz anders geworden, als geplant. Rosa war eigentlich das, was ich nicht nähen wollte. Das lief etwas schief :D.

Mir war es auf jeden Fall wichtig, die Stoffe vor Ort im Laden zu kaufen und nicht im Internet. Ich finde es schöner, wenn ich die Stoffe direkt anfassen kann und die Qualität selbst beurteilen kann.

Drei Stoffläden habe ich durchkämmt, bis ich endlich fündig geworden bin. Es gab so viele Dirndl geeignete Stoffe, das ich mich gar nicht entscheiden konnte. Zwar gab es auch viel in den anderen Farben, die ich eigentlich vernähen wollte, doch irgendwie hat mir auch das rosa so gut gefallen.

Die nette Verkäuferin schlug mir den grauen, Leinenartigen Stoff vor, um daraus das Mieder und den Rock zu nähen. Der Stoff hat eine leichte Lochprägung, weshalb er etwas durchsichtig ist. Da der Rock allerdings in Falten gelegt wird, fällt das gar nicht mehr auf.

Für die Schürze habe ich mir den Rosa Blumenstoff ausgesucht, denn mir war klar, dass ich auf jeden Fall etwas mit Blumen machen wollen würde.

Als Kontrast dazu, habe ich für die Paspel einen dunkelgrünen Baumwollstoff gewählt.

Das restliche Material

Natürlich braucht man außer dem Stoff noch einige weitere Nähutensilien. Ich habe acht Miederhaken in Herzform verwendet, Satinband für die Schnürung und die Froschgoscherln gekauft, sowie einen Reißverschluss.

Dabei habe ich darauf geachtet, alles Farblich aufeinander abzustimmen, damit es ein schönes Gesamtbild gibt.

Der Nähprozess

Bevor ich mit dem Zuschneiden und Nähen anfing, beendete ich erst meine Herbstjacke ( Dazu bald mehr ). Das war sehr wichtig für mich, da ich mehr Slow – Sewing betreiben möchte. Früher hätte ich nämlich die Jacke sofort liegen gelassen und erst fertig genäht, nachdem ich das Dirndl beendet hatte. Und wahrscheinlich während dem Dirndl noch zwei andere Sachen angefangen.

Doch ich möchte mehr darauf achten, mir für einProjekt mehr Zeit zu nehmen, mich von nichts anderem Ablenken zu lassen. So habe ich zum Beispiel auch mehr Zeit kleine Details einzubauen, die natürlich das Kleidungsstück am Ende perfekt machen.

Das Probemieder

Bevor ich mit dem eigentlichen Mieder anfing, nähte ich mir ein Probemieder. Das wird im Ebook empfohlen und macht auch wirklich Sinn! Gerade wenn ihr zum ersten Mal ein Dirndl näht, ist das ganz wichtig, denn die Passform ist das A und O.

Obwohl ich in der Maßtabelle haargenau in den Maßen für Größe 36 lag, passte mein Probemieder überhaupt nicht. Ich habe die Seitennähte zig mal abgenäht und auch die Träger nochmal kürzer gemacht. Gepasst hat es dann aber trotzdem noch nicht. Immernoch war eine Falte im Rücken, die wirklich nicht schön aussah. Ich sprach mich mit Anja ab, die sich ja damit auskennt, doch irgendwie ging die Falte nicht weg, egal was ich machte. Da der Stoff ein ziemlich steifer Baumwollstoff war, beschloss ich die Änderungen einfach zu übernehmen und das richtige Mieder zu nähen. Genug Stoff hatte ich ja und außerdem wollte ich natürlich endlich anfangen. Ob es mit dem anderen, dünnen Stoff sofort gepasst hat, lest ihr gleich weiter unten ;).

Das Mieder

Beim Dirndl fängt man damit an, die Paspel zu fertigen, die zwischen die Nähte des Mieders gefasst wird. Solche Arbeiten mache ich eigentlich nicht gerne, da es so lange dauert, doch die Paspel ist einfach ein schönes Detail und ich finde, sie gehört beim Dirndl einfach dazu. Ich hatte hier als Kontraststoff den dunkelgrünen Baumwollstoff verwendet, da mir rosa und grau alleine zu hell waren.

Als nächstes ging es los, mit dem Mieder. Davor, und vor der Schürze hatte ich am meisten Angst.

Im Nachhinein frage ich mich natürlich warum, denn es war wirklich sehr einfach. Also wenn auch ihr Angst davor habt, euer erstes Dirndl zu nähen, probiert es doch einfach mal aus! Es ist wirklich nicht schwer und Anja hat das Ebook so gut erklärt, es kann eigentlich nur klappen!

Das Mieder war wirklich in wenigen Stunden fertig. Anfangs hatte ich noch keinen Futterstoff gekauft, doch zum Glück hatte ich zu Hause noch einen Rest, der perfekt als Futter passte.

Was mich natürlich beruhigte war, dass das Mieder wie angegossen passte. Es ist gerade so eng, dass es noch gemütlich ist, aber auch nicht zu locker. Die Falte war außerdem auch weg. Ich glaube, das kam durch die andere Stoffwahl, aber auch die Paspel.

Das war natürlich schonmal mein erstes Erfolgserlebnis. 😀

Der Rock

Ich glaube, ich hatte noch nie so viel Stoff in einer Hand, bei einem Nähprojekt. Hui, das war anstrengend. Ich habe nämlich den traditionellen Faltenrock verwendet, bei dem man wirklich eine Menge Stoff braucht. Insgesamt hatte ich für vier Meter Stoff. Da das wirklich extem viel war, habe ich es auf 3,60m gekürzt. Ihr hätten uns mal bei uns im Hof stehen sehen sollen, wie es aussah, als wir zu dritt den ganzen Stoff zusammen gelegt haben 😀

Ich habe ein weilchen gebraucht, bis ich die ganzen Falten gelegt hatte. Das Schlimmste daran war natürlich das Säumen. Wer säumt schon gerne? 😀

Dann wurden Rock und Mieder aneinander genäht und mit einem Reißverschluss geschlossen. Auch das war wirklich nicht schwer! 🙂

Die Schürze

Weiter ging es mit dem letzten Teil, der Schürze. Hierfür hatte ich mir den schönen Blumenstoff ausgesucht. Auch das war ganz einfach, denn eigentlich geht es nur darum, die Schürze sechs Mal abzusteppen und dann zusammen zu raffen.

Das ist bei mir leider etwas unordentlich geworden, da mein Faden, mit dem ich dann gerafft habe ständig gerissen ist. Ich glaube, das liegt an der ziemlich abgenutzten Stichplatte von meiner Nähmaschine… :D. Alles in allem sieht es aber gut aus.

Was ich an der Schürze besonders schön finde, ist die Falte, die am Band gelegt wird, wo es mit der Schürze verbunden ist. Ich weiß leider nicht, wie ich das beschreiben soll und habe auch kein Bild davon, sorry. Aber ich finde die Bänder haben eine schöne Breite und durch die dicke des Stoffes, lassen sich richtig schöne Schleifen binden.

Die Bluse

…wollte ich eigentlich gar nicht nähen. Ich wollte die Bluse von meinem alten Dirndl nehmen, doch die hat natürlich überhaupt nicht zur Ausschnittform gepasst. Also habe ich das Schnittmuster auch gleich ausgedruck und zugeschnitten. Hierfür hatte ich jedoch keinen weißen Stoff, wie es ja bei Dirndlblusen üblich ist, sondern einen Champagnerfarbenen. Der war zufällig noch da und passte meiner Meinung nach auch besser. Für die Ärmel brauchte ich passendes Satinband und hatte natürlich keins da. Also lief ich zum Blumenladen bei uns im Dorf. Dort gab es nur ein einziges Satinband und das war zum Glück genau das in der Farbe, die ich brauchte. Man darf ja auch mal Glück haben :D.

Die Bluse war in unter einer Stunde genäht und auch nicht schwer. Die Rüschen hatte ich allerdings weggelassen, da ich es lieber schlichter wollte.

 

Die Details

Nachdem ich alles zusammen gesetzt hatte, musste ich natürlich noch die Knöpfe und Verzierungen anbringen. Für die Knöpfe hatte ich mir Herzförmige Miederknöpfe ausgesucht. Diese brachte ich mit der Hand an. Durch diese Knöpfe wird ein rosa Satinband gefädelt.

Außerdem machte ich mir aus einem breiteren Rosa Satinband und aus einem dunkelgrünen, die Froschgoscherln. Hierzu werden die Bänder aufeinander genäht und in Falten gelegt.

Diese werden dann mit der Nähmaschine abgesteppt. Als nächstes werden sie mit der Handnähnadel „geöffnet“. Ich sage euch, das ist eine Arbeit wie Stricken Abends vorm Fernseher. Total entspannend! Das könnte ich wirklich öfters machen 😀

Die Froschgoscherln werden dann auf den Ausschnitt verziert und haben meinem Dirndl nochmal den letzten Kick verpasst!

Das fertige Dirndl

Hach, war das ein schönes Gefühl. Endlich hielt ich mein eigenes Dirndl in der Hand. Meine Familie war ziemlich begeistert davon und meine Oma und mein Papa erzählten gleich jedem davon und ich musste es ständig anziehen… Irgendwie peinlich…

Aber ich war halt wirklich so stolz darauf. Findet ihr es auch immer wieder faszinierend, wenn ihr am Anfang den gewaschenen Stoff vor euch liegen habt und auf einmal ein exklusives Unikat in der Hand haltet, was sonst niemand hat? Das ist das, was ich so toll finde am Nähen. Man kann alles tun, was man will. Wenn man die richtigen Kenntnisse und Schnitte, kann man theoretisch alles nähen was man sich vorstellt.

Genauso beim Dirndl nähen. Hier fällt es nicht einmal auf, wenn es sehr prunkvoll und übertrieben ist, denn das darf es ja. Egal ob es schlicht oder schrill ist, auffällig und bunt oder zurückhaltend und ruhig. Hier ist der Kreativität wirklich keine Grenze gesetzt und es kommt ein absolutes Unikat dabei heraus. Selbst wenn ich jetzt nochmal ein Dirndl in den selben Farben nähen würde, dann würde es trotzdem anders aussehen, da bin ich mir sicher.

Ist selbstnähen günstiger als Kaufen?

Nein. Ich glaube ich habe für mein Dirndl ungefähr das gleiche ausgegeben, wie wenn ich es gekauft hätte. Ich füg euch hier mal einen kurzen Kostenüberblick ein.

Ebook: 25 €

Stoffe: 70 €

Knöpfe: 22€

Satinbänder 8,50 €

ca. 125,50€

Ja, ich denke das kommt vom Preis circa hin. Aber ganz ehrlich? Ein g´scheits Dirndl kostet genauso viel. Natürlich wird die Arbeitszeit nicht mit eingerechnet. Wenn man nach Arbeitsstunden gehen würde, wären wir bestimmt bei 250€ – 300€, doch es ist ja für mich und da ist die Arbeitszeit ja nicht so wichtig.

Mein erstes Dirndl

Oha, ich glaube, das ist der längste Blogbeitrag den ich jemals geschrieben habe… Nur der zum Hühnerhaus könnte ähnlich werden. Wer es bis hierhin durchgehalten hat, Respekt! :D.

Also, ich weiß nicht, wie oft ich jetzt noch sagen soll, wie stolz ich darauf bin, also lasse ich es jetzt gut sein. Ich freue mich darauf, wenn ich das Dirndl zum ersten Mal anziehen kann und lasse euch jetzt noch ein paar Bilder da. Wir haben natürlich noch ein paar Bilder mit den Pferden gemacht, die aber mehr ein Fail geworden sind… Aber Dirndl und Haflinger passt halt einfach perfekt zusammen <3

Schnittmuster: Dirndl Workshop

Stoffe: Stoffburg

Knöpfe: Stoffladen Fulda

Macht´s schön gut, eure Rebecca 🙂

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