Wir sind Gesellinnen!

Wir haben es geschafft! Seit Dienstag, dem 19.6.2018 sind wir drei Gesellinnen. Endlich.

Ich bin so froh, das die Prüfung endlich rum ist, aber auch gespannt, was jetzt alles so kommen wird.

Ich hatte euch ja versprochen, über alles zu berichten, deshalb legen wir jetzt mal los.

 

In Fulda ist die Abschlussprüfung der Floristen folgendermaßen geregelt:

-Jeder muss einen Strauß anfertigen, dabei darf man sich Gestaltungsart und Blumen selbst aussuchen. Für diesen Strauß hat man in der Prüfung eine halbe Stunde Zeit.

-Jeder muss ein Gesteck fertigen. Hierzu bekomment man die Blumen vom Prüfungsausschuss gestellt, hat sie aber vorher noch nicht gesehen. Das ist also die Überraschungsarbeit, denn man muss sich in 40 Minuten eine Gestaltungsart, Anordnungsart usw. überlegen.

-Jeder muss eine Pflanzschale anfertigen. Das Thema kann man sich hierfür aussuchen, allerdings müssen die Grundmaße 70 cm x 70 cm sein.

-Jeder wählt aus 4 Themenbereichen aus. Trauer, Hochzeit, Raumschmuck oder Tischschmuck. Hierzu bekommt man dann eine Aufgabe gestellt. Ich wählte den Raumschmuck und mein Thema war

„Zwei Modelabels teilen sich einen Verkaufsraum. Gestalte einen floralen Raumtrenner.“

Das Thema passte lustigerweise perfekt zu mir, da ich so auch das Nähen integrieren konnte.

Zu diesem Thema hat man dann eine Woche Zeit, eine Mappe zu gestalten und ein Angebot zu Erstellen. Hierzu gehören die Skizzen und die Kalkulation.

Strauß

Von Anfang an hatte ich mir vorgenommen, meinen Strauß mit trockenen Gräsern zu arbeiten, die ich schon im Winter gesammelt hatte. Wenn ich ehrlich bin, hab ich sie jemandem von der Schubkarre genommen, als er bei uns daheim vorbei gelaufen ist. Den Weg zum Wertstoffhof hatte er sich also gespart :D.

Außerdem habe ich mit Artischocken, Disteln, Trommelschlägeln, Rosen ( Houdini ), Dahlien und Eustoma gearbeitet. Leider habe ich von Anfang an den Strauß zu weit unten angefasst, sodass er oben zu hoch wurde und ich nicht mehr genug Werkstoffe hatte, um einen schönen Abschluss zu machen. Er ist leider nicht ganz rechtwinklig geworden.

 

Das Gesteck

Würde ich die passenden Blumen erwischen, hätte ich liebend gerne ein hohes parallel Gesteck gemacht. Allerdings bekam ich Blumen, bei denen ich nicht wirklich wusste, wie ich sie anordnen sollte. Also hab ichs radial gemacht und bin eigentlich total verliebt in das Gesteck. Zuerst hatte ich noch eine Blattmanschette unten rum, doch die habe ich gegen Ende abgemacht, damit es aussieht wie ein schöner Blütenkorb. Ich war sogar vor der Zeit fertig!

 

Die Pflanzschale

Ganz ehrlich? Ich finde sie einfach nur geil. Die Grundidee war eigentlich komplett anders gewesen, bis dann die Tonne dabei raus kam. Beim Ausbrennen der Öltonne musste mein Chef mit dem Flammenwerfer dran, aber ich finde jetzt sieht es noch cooler aus als vorher.

Ich wusste schon, dass ich mit Kakteen arbeiten wollte, da dies nicht so oft gemacht wird. Die meisten Themen sind Orchideen, Kräuter, Bauerngarten oder auch Farne. Ich wollte etwas ganz anderes machen und bereue nichts, trotz dass ich immer noch ein Dorn in meinem Finger stecken habe, den ich nicht raus bekomme. Seit Dienstag. 😀

Das Motorrad haben wir beim Großhändler gefunden und ich finde, es passt perfekt dazu. Ich denke man sieht, das die Schale unter dem Thema „Route 66“ steht.

 

Die Komplexe Prüfungsaufgabe

Für mich war von Anfang an klar, dass ich Raumschmuck wählen würde. Zwar hatte ich auch schon kurz an Hochzeit gedacht, aber große Objekte sind dann doch eher mein Ding und machen mir auch am meisten Spaß.

Als ich mein Thema zog, war ich mehr als froh, einen Raumteiler für zwei Modelabels zu gestalten. Denn dazu konnte ich noch etwas herumspinnen und mir eine Geschichte dahinter ausdenken, was es mir ermöglicht hatte, mein Hobby nähen perfekt mit einzubeziehen.

Für meine Mappe, die ich gestaltete dachte ich mir also eine Geschichte über das Unternehmen aus, um darin auch zu erklären, was ich warum vorhatte.

„Herr Schmitt und Frau Kern lernten sich 2014 als Studenten an der Universität kennen. Sie studierte Modedesign, er Designer. Der Traum der beiden war es schon lange, selbstständig zu werden. Jedoch fehlte dazu der Mut, das Geld und die nötige Erfahrung. Nach ihrem Studium beschlossen beide, das Projekt gemeinsam zu starten und gründeten beide Unternehmen, die sie mit Unterstützung des jeweils anderen führen.

Das Konzept der beiden jungen Unternehmer ist es, aktuelle Trends aufzugreifen, nachhaltig zu produzieren und zu wirtschaften, sowie Regionale Produkte zu verwenden. Das Unternehmen bezieht Baumwolle und Leinen aus Fair produziertem Handel, was das Umweltbewusstsein des Unternehmers wieder spiegelt. Die Designs und Schnitte der Kleider sind einfach und zurückhaltend, schlicht und natürlich gehalten, was man auch im Design der Website wieder  findet. Aktuelle Trends wie Upcycling, Minimalismus und Vintage werden aufgegriffen und zu etwas neuem, ansprechenden verarbeitet. Trotz dass die beiden Unternehmer eng zusammen arbeiten, brauchen sie einen Raumteiler für ihren Verkaufsraum, um diesen optisch abzugrenzen. Hierbei ist der gemeinsame Wunsch der beiden, dass ein Upcycling stattfindet. Es soll aus etwas altem, etwas neues gemacht werden. Dem alten Werkstück soll neues Leben eingehaucht werden. Bei der Blumenauswahl passen wir uns hier dem Unternehmen an. Natürliche, Bunte und romantische Sommerblumen sollen hierbei gewählt werden. Die  Farbauswahl erfolgt bunt, denn so passt sie in den Raum, der blau und rot gestrichen ist, perfekt rein. Das fertige Werkstück soll den Stil und Charakter der Unternehmen wieder spiegeln.“

 

Auf diesem Konzept bauten wir dann auf. Zusammen mit meinem Chef, ohne den ich wirklich aufgeschmissen gewesen wäre und der mir auch außerhalb der Arbeitszeiten meine Sachen betoniert hat, hätte ich das wirklich nicht geschafft. Danke nochmal Elmar 🙂

Wir besorgten drei Baustahlmatten und betonierten diese in Blumenkästen, um einen Fuß zu erhalten. Eine Platte legten wir oben drauf und rödelten alles zusammen. In seinen drei Einzelteilen ist das Gestell also transportabel.

Desweiteren war der Plan, gefüllte Vasen und verschiedene Utensilien die uns vom „Modelabel gestellt wurden“ in die Matten zu hängen. Hierzu benutzten wir Stoffe, Scheren, Garnspulen, Zeitschriften und Schnittmuster. So weit so gut. Wir waren uns sicher, das wird der Hammer, bis es dann an die Prüfung ging. Denn es ging ALLES SCHIEF.

Ich fing an, die Vässchen zu füllen, machte diese schonmal fertig, damit ich diese nur noch reinhängen musste. Als nächstes befestigte ich meine ganzen Ranken im Gestell um dieses etwas blickdichter zu machen. Clematis, Hopfen, Magnolie, Birke und Korkenzieherhasel.

Als ich anfing, die Gläser rein zu hängen, merkte ich schon, wie instabil alles wurde. Alles fing auf einmal an zu wackeln. Egal, ich machte weiter und hing die Sachen anfangs nur nach rechts, da ich wusste, dass das Gestell auch beim üben schon nach links gekippt war. Eigentlich hatten wir dieses Problem behoben.

Dann kam der Punkt, an dem ich mir wirklich fast in die Hose gemacht hätte oder fast in Ohnmacht gefallen wäre. Wahrscheinlich beides. Denn das Gestell kippte komplett nach links. Ich stand gerade ganz oben auf der Leiter und bin noch nie von so einer Höhe aus, so schnell unten gewesen.

Ich hielt das Gestell fest und überlegte erstmal fünf Minuten lang, ob ich jetzt einen Nervenzusammenbruch bekommen sollte oder ob ich mir den lieber für später aufhob.

Egal wie, ich konnte nicht mehr weiter machen. Ich konnte ja nicht einmal das Gestell los lassen, ohne das alles umfiel! Zu diesem Zeitpunkt war die Prüfung erstmal gelaufen.

Zum Glück waren die Prüfer so nett und stellten die beiden Baumstämme, die ich eigentlich zur Präsentation für das Gesteck und den Strauß mitgebracht hatte, rechts und links daneben, was dem ganzen einen Gewissen halt gab. Sie machten es noch mit Wickeldraht fest und ich stand immer noch daneben und fragte mich, ob das alles wirklich gerade passiert.

Das Werkstück machte ich nicht mehr komplett fertig, ich hängte nur noch die leichten Sachen auf und hatte wirklich viel übrig, was natürlich total viel Punkteabzug gab.

Als die Prüfung dann rum war und meine Ausbilderin da war, musste ich erstmal alles rauslassen und habe Rotz und Wasser geheult. Ich glaube die Verzweiflung, Enttäuschung und auch die Erleichterung kamen einfach über mich.

Aber egal. Bestanden ist Bestanden. Mittlerweile kann ich schon darüber lachen, obwohl natürlich alles besser hätte laufen können. Alle anderen haben eigentlich Recht. Nach der Abschlussprüfung fragt später niemand mehr.

Die Noten haben wir allerdings noch nicht.

Allerdings haben wir schon unsere Zeugnisse bei dem ich einen Notendurchschnitt von 1,1 Habe <3.

Ich hatte noch nie in meinem Leben so ein gutes Zeugnis und werde es auch nie mehr schaffen. Das ist mir allerdings wichtiger als die Abschlussprüfung. Zwar werde ich keine sehr gute Note mehr bekommen, wegen dem vielen Punkteabzug, aber ich bin einfach nur froh, dass es rum ist!

Außerdem habe ich von meinem Chef und meiner Ausbilderin einen Lehrgang geschenkt bekommen, zur bestandenen Prüfung! Trauer und Allerheiligen Floristik bei Anette Kamping <3 Ich freue mich so mega, vielen Dank nochmal!

Ich bin jetzt schon mega aufgeregt und nehme euch natürlich wieder mit, wie beim letzten Lehrgang auch!

Jetzt lasse ich euch noch ein paar Bilder da und werde morgen meinen ersten Arbeitstag als Gesellin antreten 🙂

Liebe Grüße, Rebecca 🙂

 

PS: An alle Azubis, die die Prüfung noch vor sich haben, so bereitet ihr euch richtig auf die Prüfung vor! Das Bild ist bei meiner Chefin im Garten entstanden, als wir kurz Pause gemacht haben ;D

 

 

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Ein Kommentar bei „Wir sind Gesellinnen!“

  1. ulla mozdzien sagt: Antworten

    toller Bericht, tolle Fotos,
    nochmals herzlichen Glückwunsch.
    Das haste super gemacht und das mit dem Dorn? Der geht auch noch raus.
    Wünsche dir einen tollen ersten Gesellinentag.

    lieb grüssen.ulla.

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